Hitze, Unfälle und harte Kämpfe

Saint-Dié-des-Vosges, Frankreich – Die dritte Station des ADAC Opel Electric Rally Cups 2025 hatte es in sich: Bei Temperaturen von über 37 Grad bereits zum Shakedown am Freitag verlangte die Rallye Vosges Grand-Est dem Infypower chargebyte e-Rally Team alles ab, körperlich, technisch und mental. Bereits am Freitag zeigte sich, wie herausfordernd das Wochenende werden würde. Die extreme Hitze stellte Mensch und Material auf eine harte Probe. „Nach sechs Runden im Shakedown hatten wir uns wieder gut eingespielt und fühlten uns bereit für die französischen Stages für den Start am Samstag“, berichtet Kugler. Der Servicepark war dieses Mal im Stadtzentrum von Saint-Dié-des-Vosges untergebracht.

Am Samstag standen fünf Wertungsprüfungen auf dem Programm. Die erste Prüfung begann verhalten. Das Duo tastete sich zu vorsichtig an die technisch anspruchsvollen Asphaltstrecken heran, bekannt für ihre vielen rolligen und schmutzigen Abschnitte, die durch das Schneiden der Kurven der über 120 Fahrzeuge des Hauptfeldes entstehen, welche vor dem Feld des Opel Cups starteten. Auf WP2 dann der erste Rückschlag: Nach einer starken ersten Hälfte der Prüfung kam das Fahrzeug in einer engen Kehre leicht zu weit in den Dreck. Feste Erde verfing sich in der Felge, was eine extreme Unwucht verursachte und wertvolle Sekunden kostete. „Das hat uns komplett aus dem Rhythmus gebracht“, so Wittenbeck. Die dritte Wertungsprüfung wurde nach einem Unfall neutralisiert. So lag das Team zur Halbzeit des Tages auf Platz 8 von 11 Startern. Doch es sollte noch dramatischer werden: Auf WP4 erwischte Wittenbeck in einem Cut einen im Gras versteckten Stein. Die linke Vorderradaufhängung wurde beschädigt. Nach einem kurzen Stopp mit visuellem Check mitten auf der gezeiteten Wertungsprüfung entschied sich das Team, die Prüfung langsam zu Ende zu fahren, um auf keinen Fall auszuscheiden. Denn bereits drei andere Teams hatten zu diesem Zeitpunkt Unfälle und kassierten beim Restart am Sonntag 10 Strafminuten.

Noch vor dem dringend benötigten Service stand WP5 in der Geoparc Arena auf dem Plan. Vor Zuschauern am Eingang der Arena und unter großem Zeitdruck mussten Wittenbeck und Kugler wenige Minuten vor dem Start noch notdürftig am Straßenrand die Aufhängung fixieren. Mit Erfolg: Sie schafften es über die Wertungsprüfung und retteten das Fahrzeug zum Abendservice, wo das Serviceteam ganze Arbeit leistete und die beschädigte Radaufhängung in den vorgegebenen 45 Minuten am Abend und 25 Minuten am Sonntagmorgen ersetzte.

Der Sonntag stand ganz im Zeichen des Ankommens. Nach vorne war der Rückstand zu groß, nach hinten betrug der Vorsprung immerhin drei Minuten. Bei wechselhaften Bedingungen mit gelegentlichen Regenschauern ging es vor allem darum, sauber durchzukommen. Am Ende stand der 8. Platz zu Buche. Trotz des versöhnlichen Abschlusses war Wittenbeck mit sich nicht zufrieden. Er kam bei der enormen Hitze im Cockpit an seine Grenzen, nachdem er in der Woche zuvor noch mit einer hartnäckigen Erkältung zu kämpfen hatte. In der Meisterschaft bedeutet das Ergebnis einen Rückschritt: Mit 35 Punkten fällt das Team auf Rang 7 von 11 aktiven Cup-Teilnehmern zurück. „Dennoch bin ich sehr mit unserer Teamleistung zufrieden. Auch technische Defekte gehören im Rallyesport dazu und unsere Crew hat einen großartigen Job gemacht. Das war definitiv ein Zeichen für einen enormen Zusammenhalt und ein Erfolg fürs Team“, lobte Wittenbeck seine Mechaniker. Den Sieg der Rallye holt sich zum ersten Mal in diesem Jahr das belgische Team Tom Heindrichs und Jonas Schmitz. Nun steht eine lange Sommerpause an, bevor es Mitte August bei der Saarland-Pfalz Rallye in die vierte Runde des ADAC Opel Electric Rally Cups geht. Dann will das Team wieder angreifen und an die starke Leistung vom Saisonauftakt in Sulingen anknüpfen.