Hauzenberg, Deutschland – Mehr Spannung war kaum möglich: Beim Saisonfinale des ADAC Opel Electric Rally Cup im Rahmen der WRC Central European Rally in Niederbayern erlebten Fans und Teams ein Motorsport-Wochenende voller Emotionen, Dramatik und unerwarteter Wendungen. Für das Infypower chargebyte e-Rally Team Wittenbeck/Kugler war die Rallye ein gelungener Abschluss einer intensiven Saison. Der Servicepark befand sich in Hauzenberg, wo das Team an allen drei Tagen, Freitag, Samstag und Sonntag, zuverlässig und konstant unterwegs war. Von Beginn an konnten Wittenbeck und Kugler souverän auf ihrem Meisterschaftsplatz fahren. Nach vorne war in der Tabelle nichts mehr möglich, solange die Konkurrenz fehlerfrei blieb. Umso wichtiger war es, den Druck von hinten abzuwehren, wo das französische Team in Schlagdistanz lag.
Im Fokus des Wochenendes stand der packende Titelkampf zwischen dem spanischen Duo Álex Español/Borja Odriozola und den belgischen Verfolgern Tom Heindrichs/Jonas Schmitz. Mit zwölf Punkten Vorsprung gingen die Spanier in die Rallye, doch schon am Samstag drehte sich das Blatt: Ein gebrochener Dämpfer warf das Opel-España-Team auf Rang 5 zurück, während die Österreicher Marcel Neulinger/Jakob Ruhsam überraschend die Führung übernahmen. Heindrichs und Schmitz hielten sich auf Platz 2, womit die Spannung ins Unermessliche stieg. Am Sonntag stand schließlich die doppelt gefahrene Prüfung „Beyond Borders“ auf dem Programm, deren zweiter Durchgang als Power Stage zusätzliche Meisterschaftspunkte brachte. Die Ausgangslage war klar: Sollte Heindrichs die Power Stage gewinnen, musste Español mindestens die drittbeste Zeit fahren, um die Meisterschaft noch zu sichern. „Wir hatten schon die Befürchtung, dass hier am Sonntag noch einer von den Jungs abfliegt. Für die ging es um alles oder nichts“, kommentierte Johannes Wittenbeck später.
Doch noch bevor das große Finale beginnen konnte, sorgte ausgerechnet der amtierende Rallye-Weltmeister Thierry Neuville, der Bruder von Tom Heindrichs, für Aufsehen: Ein heftiger Einschlag in eine Brücke im ersten Durchgang führte zum Abbruch der Prüfung. Damit hatte kein Fahrer die Strecke vor der entscheidenden Power Stage im zweiten Lauf fahren können. Zwei Stunden später war es dann so weit. Das große Finale stand bevor. Auch für Wittenbeck und Kugler war es ein besonderer Moment: Zum letzten Mal starteten sie mit ihrem Opel Corsa Rally Electric, bevor im kommenden Jahr die neue, deutlich leistungsstärkere zweite Generation des Opel Mokka GSE Rally Electric eingeführt wird. Doch kaum standen sie am Start, noch fünf Sekunden bis zum „Go“, wurde die Stage abgebrochen. Ein schwerer Unfall des spanischen Titelanwärters Español. In einer Highspeed-Linkskurve bei rund 130 km/h überschlug sich der Opel Corsa mehrmals. Fahrer und Beifahrer glücklicherweise unverletzt, aber das Aus und damit das Ende aller Titelhoffnungen. Durch diesen dramatischen Zwischenfall ging der Meistertitel an das belgische Duo Tom Heindrichs und Jonas Schmitz, das sich damit den begehrten Werksvertrag für die Junioren-Europameisterschaft 2026 sicherte.
Für Wittenbeck und Kugler endete das Wochenende mit einem starken 6. Platz in der Rallye und der erfolgreichen Verteidigung von Meisterschaftsrang 7. Co-Pilot Maximilian Kugler zog ein positives Fazit: „Klar hatten wir in diesem Jahr andere Ziele, aber wir sind sehr zufrieden mit unserer Steigerung. Wir sind in der Meisterschaft im Vergleich zu 2024 um zwei Plätze nach hinten gerutscht, aber das Niveau ist einfach nochmal so enorm gestiegen, dass man unsere Verbesserung der Zeiten nicht direkt im Ergebnis sehen kann.“

